suche

ND: Adressat: Der unpolitische Jugendliche PDF Drucken E-Mail

['solid] und Gewerkschaftsjugend starten Kampagne »AufMUCKEn gegen Rechts«
Mitte Dezember startete das bundesweite Antirassismusprojekt »AufMUCKEn gegen Rechts«. Mit ersten Erfahrungen in der Tasche stellten der Jugendverband ['solid] und Gewerkschaftsjugendverbände gestern die Kampagne in Berlin vor.

Bereits der Testlauf im Dezember letzten Jahres war ein voller Erfolg. »Über 1300 CDs wurden uns förmlich aus der Hand gerissen«, erzählt Robert Wollenberg vom PDS nahen sozialistischen Jugendverband ['solid] über die Verteileraktion des selbstproduzierten Musiksamplers an Schulen im Brandenburger Landkreis Märkisch-Oderland.

Jetzt legte ['solid] nach. Über 50000 der Tonträger mit antifaschistischem Inhalt sind produziert und sollen bundesweit an deutschen Schulen verteilt werden. Hinter dem Projekt »AufMUCKEn gegen Rechts« stehen neben dem sozialistischen Jugendverband inzwischen auch die Gewerkschaftsjugendverbände von DGB, ver.di und der IG Metall. Finanziell wird die Kampagne von der Hans-Böckler-Stiftung und vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend sowie vielen privaten Spendern unterstützt.

Auf der CD sind unter anderem namhafte Bands wie die Absoluten Beginner und die Berliner Combo Seeed vertreten. Gerade mit diesen in den Charts ganz oben rangierenden Musikgruppen soll eine möglichst große Gruppe angesprochen werden. »Wir sind kein klassisches Antifaprojekt«, sagt Wollenberg. »Unsere Adressaten sind eher unpolitische Jugendliche.«

Die Idee zu der Kampagne entstand im letzten Sommer als bekannt wurde, dass 56 rechtsextremistische Organisationen planten, massenweise CDs unter dem Titel »Anpassung ist Feigheit – Lieder aus dem Untergrund« an deutschen Schulen zu verteilen. Das Vorhaben wurde inzwischen unterbunden, große Teile der CDs beschlagnahmt. »Auf diese Entwicklung mussten wir reagieren«, erklärt Helke Diers, Bundessprecherin für den Bereich Antifaschismus bei ['solid]. So entstand aus einem ursprünglich lokalen Vorhaben die Vorstellung, selber im großen Stile bundesweit aktiv zu werden.

»Uns ist es gelungen, ein ausschließlich von Jugendlichen getragenes Projekt zu realisieren, und einen Sampler zu produzieren, der erstmals kostenlos in ganz Deutschland verteilt wird, um Jugendlichen ein Mittel in die Hand zu geben, selber gegen Rechts aktiv zu werden«, so Robert Wollenberg. Schwerpunkt der Verteilaktion sollen die Hochburgen der Rechtsextremen in Sachsen, Mecklenburg und Niedersachsen sein. Bereits am kommenden Wochenende wird die Kampagne Halt in der Sächsischen Schweiz machen, wo bei der letzten Landtagswahl 20 Prozent der Erst- und Jungwähler die rechtsextreme NPD gewählt hatten.

Doch es sollen nicht nur bloße Verteilaktionen stattfinden: Insgesamt 100 Informations- und Diskussionsveranstaltungen mit renommierten Rechtsextremismusexperten ergänzen die Kampagne inhaltlich. Sollten sich der Erfolg des Tests wiederholen, ist geplant, bis zu den Bundestagswahlen 2006 aus der Kampagne eine sich selbst verstärkende, feste Struktur zu entwickeln. Unter anderem erwägen die Initiatoren die Idee eines bundesweiten Bandwettbewerbs, bei dem jugendlichen Musikgruppen um den besten antifaschistischen Song wettereifern sollen.

Ob aus diesem Konzept eine jugendliche soziale Bewegung gegen Rechts erwächst, wie es sich ['solid] und die Gewerkschaftsjugendverbände erhoffen, bezweifelt jedoch der renommierte Berliner Bewegungsforscher Dieter Rucht: »Bei einer Sozialen Bewegung geht es um einen grundlegenden sozialen Wandel, das Mittel des politischen Protests ist vorhanden und der Verbund mit anderen gesellschaftlichen Gruppen ist gegeben.« Vorgaben, die beim derzeitigen Stand der Kampagne noch nicht zu erkennen seien. Angesichts der rasant wachsenden Verbreitung rechtsradikaler Ideen und der Verfestigung einer entsprechenden Alltagskultur unter Jugendlichen, »könne es solche Initiativen allerdings nicht genug geben«, betonte Rucht.

Martin Kröger

Neues Deutschland, 20.01.2009

 

--

 

Quelle: Neues Deutschland