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MOZ: Den Rechten Paroli bieten PDF Drucken E-Mail

Jugendverband solid organisiert Aktionen zur Aufklärung an Schulen

Strausberg. Eine bundesweite Offensive an Schulen haben rechtsradikale Gruppen voriges Jahr gestartet. Aus mehreren Bundesländern wurde über wachsende braune Umtriebe an den Bildungseinrichtungen berichtet. Bevor es auch in Brandenburg soweit kommt, will die neue Aktion „Aufmucken gegen Rechts“ Schüler wie Lehrer aufrütteln und Aufklärungsarbeit betreiben.

Ein Mantel der Ruhe scheint über dem Schulgebäude zu liegen. In den Klassenräumen tauschen sich Schüler flüsternd – gewahr einer drohenden Ermahnung des Lehrers – über die Erlebnisse des Wochenendes aus. Doch was sich draußen vor den Toren ereignet, verstimmt. Rechtsextreme Jugendliche verteilen Flugblätter und kostenlose CD. Staunen und aufkeimendes Interesse breiten sich über die Schülerschaft, während die Gruppe zufrieden zusammenpackt und weiterzieht.

Zwar bleibt diese Vorstellung vorerst nur Fiktion – wegen der Teilnahme mehrerer illegaler Bands wurde die in 250 000-facher Auflage geplante CD von den Behörden verboten. Doch ist allein die Vorstellung solcher Szenen Ansatzpunkt für die Aktion „Aufmucken gegen Rechts“, geplant und koordiniert vom Bundesarbeitskreis Antifaschismus von solid, dem sozialistischen Jugendverband.

„Die Schule ist ein öffentlicher Raum, wo kein Platz für rechtsextremes Gedankengut ist. Da musste etwas getan werden, eine Gegenaktion, um solchen Bestrebungen einen Riegel vorzuschieben“, stellt Norbert Müller (19) aus Strausberg, Projektkoordinator für Märkisch-Oderland, klar. Voll Enthusiasmus beschlossen er und seine Mitstreiter, genau dort anzupacken, wo der rechtsradikalen Absichten lag. „Wir dachten an etwas Umfassendes, das eine Vielzahl von Menschen aufklärt. Deshalb haben wir uns ebenfalls für eine CD-Produktion sowie Aufklärung an den Schulen entschieden“, erläutert Norbert Müller die konkreten Vorhaben.

Unter diesem Leitgedanken wurde bis an die Grenzen der Belastbarkeit gearbeitet, was auch manchen Wohnsitz in die Planungsbüros verlegte. „Die Basisidee lautet: Antifa ist Pop. Die breite Masse der Schüler soll verstehen, dass etwas gegen den wachsenden Rechtsextremismus getan werden muss. Antifaschismus sollte sich einfach auch und grade an den Schulen als gesellschaftlicher Grundkonsens durchsetzen“, beschreibt der Strausberger.

Zügig wurden, begleitet von ausreichend Optimismus, über 100 Bands angeschrieben. Ein überwältigender Teil der Rückfragen fiel positiv aus. Selbst Hochkaräter wie „Die Fantastischen Vier“ oder die „Beginner“ konnten für die CD gewonnen werden. Doch nicht nur auf musikalischer Ebene traf das Projekt auf immense Unterstützung. Finanzieller Rückhalt wurde durch großzügige Spenden von Gewerkschaften, dem Bundesministerium für Familie und einigen Stiftungen gewährleistet.

So weit, so gut, schnauften die immer noch hochmotivierten Helfer. Als nächster Schritt wurden Anfragen an die Schulen im Umkreis versandt. Fast ausschließlich erklärten sich die Schulleiter einverstanden und boten eine großen Pause zur Durchführung an. Nur vom Fontane-Gymnasium und von der Lise-Meitner-Gesamtschule kamen aus Angst vor Übergriffen ablehnende Reaktionen.

Rasch wurden die Termine festgelegt. Als dann auch der geliehene Kleinbus mit Infomaterialien, CD und Musiktechnik beladen war, konnte es losgehen. Erwartungsvoll, obgleich eine angespannte Ungewissheit in der Luft lag, schmiegten sich die fünf Insassen in ihre Sitze. Es war 7.30 Uhr in der Frühe, als die letzten Helfer in Strausberg eingesammelt wurden, doch Anzeichen von Müdigkeit waren nicht zu erkennen. Die Gymnasien in Bad Freienwalde und Müncheberg waren die Tagesetappen. Karten wurden studiert, heißer Kaffee herumgereicht und erste Abläufe durchgesprochen. Trotz der leicht irreführenden Beschilderung wie „in alle Richtungen“, die kleine Orientierungsprobleme verursachte, blieb die Stimmung gut.

Innerhalb weniger Minuten hatten die Aktivisten auf den Schulhöfen die Anlage aufgebaut und einen der Cafeteria entliehenen Tisch mit Infomaterialien bestückt. Schüler und Lehrer stellten sich dem Dialog mit den solid-Mitgliedern. In Müncheberg meldeten Lehrer sogar Interesse an Gastreferenten an.

Nächste Großaktion wird am 22. Januar um 19 Uhr in der Altlandsberger Erlengrundhalle ein ebenfalls hochkarätig besetztes Konzert gegen rechts sein.

Florian Gutsch

Märkische Oderzeitung, 15. Januar 2005