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| Presseerklärung: 60 Jahre Auflösung Preußens: die Pickelhaube begraben lassen. (26.02.2007) |
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Preußen als Hort der Reaktion - dieser Analyse wird durch die einseitige Betonung anderer Aspekte, die besser in das neukonservative Bild eines tugengeleiteten, sittlichen Staates passen, bis heute widersprochen. Nach wie vor werden von verschiedenen Seiten an Stelle einer deutlichen Abgrenzung immer wieder ganz bewusst Traditionslinien herzustellen versucht, die kritische Punkte ganz bewusst unter den Tisch fallen lassen und sich selektiv auf "rechtstsaatliche Traditionen" oder die vermeintlich starke Gewichtung aufklärerischen Gedankenguts. "Eine solche Verklärung Preußens ist nicht nur historisch falsch, sondern auch politisch gefährlich." erklärte hierzu gestern Daniel Poensgen, Mitglied im Landesvorstand von ['solid] Brandenburg. "Nur weil einzelne Könige der preußischen Ahnenreihe womöglich weniger reaktionär auftraten als andere Monarchen ihrer Zeit, kann von einem generell fortschrittlichen Wesen noch lange nicht die Rede sein. Als sozialistischer Jugendverband nehmen wir den Jahrestag des Datums zum Anlass, uns gegen diese beständigen Umdeutungsversuche von rechts zu wehren. Preußen steht nicht für Toleranz und die mit ihm in Verbindung gebrachten Tugenden wie Pflichterfüllung, Disziplin und Gehorsam waren seit jeher verknüpft mit Obrigkeitshörigkeit, aggressivem Militarismus und der Unterdrückung emanzipatorischer Bestrebungen. Keine Werte, auf die wir uns zurückbesinnen sollten." Die oft gerühmte Toleranz des preußischen Staates, zurückgehend auf ein Edikt aus dem 17. Jahrhundert und von Preußenbegeisterten immer wieder gern betont, fand ihre Grenzen stets dann, wenn die Bürgerinnen und Bürger des Landes für mehr Freiheiten eintraten: "Gegen Demokraten helfen nur Soldaten." ließ Friedrich Wilhelm IV von Preußen 1848 verlauten, nachdem seine Truppen auf den Barrikaden Berlins 187 Revolutionäre erschossen hatten, die für eine liberale Verfassung eintraten. Die meisten preußischen Wahrzeichen stammen aus der Zeit der darauffolgedne Restauration und der Wiederherstellung der alten Verhältnisse. Spießrutenlauf für die Demokratie.
Hitler ohne Preußen nicht denkbar Der Geist Preußens umwehte später nicht nur den Deutschen Kaiser, als dieser den Ersten Weltkrieg entfesselte, oder die rechten Freikorps, die zur Wahrung von Ruhe und Ordnung einige Jahre später Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht ermordeten. Nicht zufällig wählte auch Adolf Hitler für die Inszenierung des Schulterschlusses seiner faschistischen Hakenkreuzbewegung mit den monarchistisch-deutschnationalen Kreisen im März 1933 die Potsdamer Garnisonkirche. Mit der symbolträchtigen Eröffnung des neuen Reichstages in der Grabstätte der preußischen Könige feierte die NSDAP "die Vermählung des alten Preußen mit dem jungen Deutschland". Weder Preußens Bescheidenheit noch seine vermeintliche Sittlichkeit konnten daran etwas ändern, dass die Konservativen im Reichstag zwei Tage später dem Ermächtigungsgesetz zustimmten. Hitler selbst wurde Reichsstatthalter Preußen, Hermann Göring amtierte als Ministerpräsident. Die Garnisonkirche wurde im Krieg schwer zerstört, ihre Ruinen 1968 gesprengt. Eine so genannte Traditionsgemeinschaft Potsdamer Glockenspiel - derart reaktionär, dass selbst Jörg Schönbohm den Verein verließ - hält die preußische Fahne hoch und sammelte in den vergangenen Jahren 6,7 Millionen Euro für einen originalgetreuen Wiederaufbau. Weil die evangelische Kirche auf einem Nutzungskonzept als Versöhnungszentrum besteht, zog sich sich die TPG zurück, seither fließen die Gelder nur noch spärlich. Ohnehin gibt es am nahe gelegenen Alten Markt ein deutlich salonfähigeres Nachbauprojekt für Preußenfreundinnen und -freunde: eine Stadtschlosskopie soll her. Als der Beschluss der Stadverordneten hierfür nicht zu Stande kam, wurde kurzerhand eine BürgerInnenbefragung über einen Landtagsneubau initiiert, bei der die Menschen nur darüber abstimmen durften, WO ein Neubau hin solle, der Verzicht auf ein so kostspieliges Unterfangens jedoch überhaupt nicht zur Debatte stand. "Potsdam hat weder einen Mangel an preußischen Schlössern noch gibt es den Bedarf an einer weiteren Kirche. Wer Lust auf Preußen hat, soll ins Museum gehen oder sich ein Buch ausleihen." erklärte Poensgen abschließend. "Wir können und wollen mit den alten und neuen Preußen keinen Frieden machen und werden den Wiederbelebungsversuchen auch weiterhin entschieden entgegentreten." -- |





